23. September 2026

D-Data: Weichenstellung für die Zukunft des Deutschlandtickets

Kompetenzcenter Marketing NRW leitet bundesweites Feldtestprojekt zur digitalen Nutzungsdatenerfassung beim Deutschlandticket
Das Bild zeigt Eduard Rollmann, Leiter des Kompetenzcenter Marketing NRW, der das Projekt "D-Data" einem interessierten Publikum auf der Innotrans in Berlin vorstellt. © VDV / Michael Fahrig © VDV / Michael Fahrig

Berlin/Köln. Auf der InnoTrans 2026 in Berlin hat das Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM) heute das Projekt D-Data vorgestellt. Auf politischen Auftrag des Koordinierungsrats Deutschlandticket hin wird bundesweit in ausgewählten Testregionen erprobt, wie sich die tatsächliche Nutzung des Deutschlandtickets zuverlässig, digital, sicher und datenschutzkonform erfassen lässt. Die Ergebnisse sollen eine wesentliche Basis dafür bieten, künftig eine leistungsgerechte Verteilung der Ticketeinnahmen unter den öffentlichen Verkehrsunternehmen und Verbünden zu ermöglichen. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer fairen, transparenten und zukunftsfähigen Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland.

Die Einnahmen aus dem Deutschlandticket werden bislang überwiegend nach dem Wohnort der Ticketkäuferinnen und -käufer verteilt, ein praktikables Verfahren, aber nur ein eingeschränktes Abbild der tatsächlichen Nutzung. Genau hier setzt das Projekt D-Data an: Es zielt auf eine nutzungsorientierte Einnahmeaufteilung nach tatsächlich zurückgelegten Fahrten. „Mit D-Data prüfen wir Verfahren für eine belastbare Datenerhebung, um die Einnahme aus dem Deutschlandticket dorthin verteilen zu können, wo der Nahverkehr tatsächlich genutzt wird", erklärt Eduard Rollmann, der das Projekt beim KCM leitet und es auf der InnoTrans in Berlin vorstellte. „Für uns als Kompetenzcenter Marketing NRW ist das zugleich ein bedeutender Schritt: Erstmals übernehmen wir mit der Steuerung dieses Feldtestprojekts Verantwortung für ein Vorhaben von bundesweiter Tragweite. Es freut mich, gemeinsam mit vielen starken Partnern die Grundlage für eine möglichst gerechte Einnahmeaufteilung zu legen, von der am Ende alle profitieren: die Verkehrsunternehmen ebenso wie die Fahrgäste.“

Im Zentrum von D-Data stehen initial bundesweite Feldtests, in denen Smartphone-Ortungsdienste allein oder in Kombination mit Beacon-Technologie für die Nutzungsdatenerfassung erprobt werden. Dabei werden technische Lösungen zur präzisen Erfassung der Wegeketten, organisatorische Prozesse zur Durchführung und Auswertung der Erhebungen sowie datenschutzrechtliche und regulatorische Fragestellungen systematisch untersucht und bewertet. Zudem wird mit unterschiedlichen Ansprache- und Anreizmodellen der Teilnehmergewinnung sowie Methoden der Stichprobenbildung analysiert, wie ausreichend viele Teilnehmende gewonnen werden können, um möglichst belastbare und repräsentative Ergebnisse zu erzielen.

Getestet wird in fünf Regionen: dem Hamburger Verkehrsverbund (hvv) mit dem Niedersachsentarif (NITAG) und dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) als Haupttestregionen sowie dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und dem Verkehrsverbund Warnow (VVW) als ergänzende Regionen. Die Feldtests beginnen im Dezember 2026, Ergebnisse und Empfehlungen werden zum Ende der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet. Im Anschluss werden Bund und Länder mit den Verkehrsunternehmen über die weiteren Schritte zur konkreten Umsetzung der nutzungsbasierten Einnahmeverteilung entscheiden.

Mehr Informationen zum Projekt D-Data finden sich hier. Dort werden auch künftige Updates zum Projektfortschritt veröffentlicht.

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Weitere Zitate

Christiane Leonard, 
Hauptgeschäftsführerin Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO):
„Gerade für den Busverkehr in der Fläche ist entscheidend, dass die Einnahmeverteilung die tatsächlichen Fahrgastströme widerspiegelt und nicht nur den Wohnort der Kundinnen und Kunden. Mit den Feldtests von D-Data wird erstmals systematisch untersucht, wie sich das verlässlich und praxistauglich umsetzen lässt – ein wichtiger Impuls für unsere Mitgliedsunternehmen.“

Anna-Theresa Korbutt, 
Geschäftsführerin Hamburger Verkehrsverbund (hvv):
„Das Feldtestprojekt bildet einen zentralen Baustein für die künftige Verteilung der Einnahmen aus den Verkäufen des Deutschlandtickets. Eine Verteilung auf Basis der tatsächlichen Nutzung auszurichten, erhöht Transparenz, Akzeptanz und Fairness für die gesamte Branche.“

Steffen Lehmann, 
Geschäftsführer Mitteldeutscher Verkehrsverbund GmbH (MDV):
„Wir wollen im MDV prüfen, wie sich präzise, datenschutzkonforme Nutzungsdaten in der Praxis gewinnen lassen – und wie daraus eine faire und für alle Beteiligten nachvollziehbare Einnahmeaufteilung gestaltet werden kann. Als Verbund mit urbanen und ländlichen Räumen sind wir ein geeignetes Testfeld. Wir wollen daran mitwirken, für die gesamte Branche ein Verfahren zu entwickeln, das reale Fahrten abbildet und Transparenz schafft. Wir sind gespannt darauf, welche Erfahrungen für eine bundesweite Skalierung hilfreich sind. D-Data liefert dafür entscheidende Erkenntnisse.”

Koordinierungsrat Deutschlandticket

Der Koordinierungsrat Deutschlandticket wurde von der Verkehrsministerkonferenz eingesetzt, um die Einführung und Weiterentwicklung des Deutschlandtickets zwischen Bund und Ländern abzustimmen. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, des Bundesfinanzministeriums sowie der Verkehrsministerien der Länder an; beratend eingebunden sind zudem die kommunalen Spitzenverbände sowie die Branchenvertretungen Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO), Bundesverband SchienenNahverkehr (BSN) und die Deutschlandtarifverbund GmbH (DTV).

Kompetenzcenter Marketing NRW (KCM)

Das Kompetenzcenter Marketing NRW, angesiedelt beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), koordiniert zentrale Zukunftsthemen im Nahverkehr Nordrhein-Westfalens, darunter den landesweiten NRW-Tarif und den elektronischen Nahverkehrstarif eezy.nrw. Verkehrsverbünde, Zweckverbände und Verkehrsunternehmen erhalten dort fachliche Unterstützung und Beratung zu tariflichen, vertrieblichen und marktforschungsbezogenen Fragestellungen. Darüber hinaus fungiert das KCM für die Tariforganisationen in NRW als Zahlungsausgleichsstelle für die bundesweite Einnahmeaufteilung. Mit D-Data und der Leitung der Feldtests zur digitalen Nutzungsdatenerfassung des Deutschlandtickets übernimmt das KCM erstmals ein Projekt von bundesweiter Tragweite. Das KCM wird gefördert vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.