22.01.2003

Zustand auf RE 9 für Kunden nicht mehr tragbar

VRS fordert von der Bahn dringende Vertragserfüllung


Köln. Pünktliche, moderne Züge mit ausreichend Sitzplätzen, ein verlässlicher Fahrplan und umfangreiche Kundeninformationen sind das Aushängeschild für einen kundenfreundlichen Nahverkehr. Auf der Siegstrecke, der RE 9, von Krefeld über Köln und Siegen nach Gießen ist die Realität aber leider eine ganz andere: Die Pünktlichkeitsquote betrug im Dezember nur 64 Prozent. Der Jahresmittelwert lag in 2002 bei 76,1 Prozent und befand sich damit weit unter dem VRS-Durchschnitt von 90 Prozent. Eine vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), der DB Regionalbahn Rheinland und des Landkreises Altenkirchen eilig einberufene Qualitätskonferenz soll jetzt schnellstmöglich Abhilfe schaffen. Walter Reinarz, Geschäftsführer des VRS über die Hintergründe der Krisensitzung: "Die Zustände auf der RE 9 sind für die Kunden nicht mehr tragbar. Wir als Besteller der Verkehrsleistungen haben konkrete Leistungs- und Qualitätskriterien, wie den Einsatz von Doppelstockwagen oder ein verbessertes Fahrplanangebot mit der DB Regionalbahn Rheinland vertraglich vereinbart. Wir werden jetzt mit verstärktem Druck im Sinne der Kunden von der DB Regionalbahn Rheinland die Erfüllung dieses Vertrages fordern.

VRS-GarantieTicket heiß begehrt
Das vom VRS zur Entschädigung der Kunden für erlittene Verspätungen eingeführte GarantieTicket fand in den letzten Wochen bei den Pendlern ungewollt reißenden Absatz. So gingen bei der DB Regionalbahn Rheinland allein in der Woche vom 13. zum 17. Januar 2003 ca. 1.000 Anträge ein. Etwa die Hälfte davon stammt von Kunden der Siegstrecke.

Verspätung und vermehrt eingesetzte alte Züge - Die Ursachen
Laut Bestellung des VRS sollten die modernen Doppelstockzüge bereits ab dem Fahrplanwechsel am 15.12.2002 fahren. Doch wie die DB Regionalbahn Rheinland GmbH jetzt bekannt gab, konnten infolge eines Hochwasserschadens bei der Zulieferfirma für die Sitze 14 neue Doppelstockwagen nicht rechtzeitig ausgeliefert werden. Zudem befinden sich zahlreiche Doppelstockwagen wegen Unfallschäden zur Reparatur in einem Ausbesserungswerk. Ein weiterer Grund für den verstärkten Einsatz der alten Nahverkehrswagen sind die für die Doppelstockzüge notwendigen Loks, die sich aber noch bei der DB Regionalbahn Rhein-Ruhr GmbH befinden und der DB Regionalbahn Rheinland erst Anfang Februar zur Verfügung stehen werden. Ohne diese Loks ist an den Endbahnhöfen in Krefeld und Gießen ein umständlicher, zeitaufwendiger Lokwechsel nötig, der die Züge unpünktlich werden lässt.

Nadelöhre durch mangelnde Infrastruktur
Auf der Siegstrecke gibt es bedingt durch Baustellen zahlreiche Langsamfahrstellen, die die Unpünktlichkeit zusätzlich erhöhen. Hinzukommen die Nadelöhre Kölner Hauptbahnhof und der Streckenabschnitt Vingst bis Steinstraße. Letzter wird bis 2004 für die S 12 ausgebaut. Bis dahin verkehren auf den bestehenden Gleisen aber mit der S12 (Köln-Au/ Sieg), der RE 9 (Krefeld-Gießen), der RE 8 (Koblenz-Mönchengladbach) und der RB 27 (Mönchengladbach-Koblenz) vier Linien und somit in den Hauptverkehrszeiten 10 Züge. Im Kölner Hauptbahnhof kommt es zudem durch die zunehmende Bahnsteigbelegung durch den Fernverkehr zu Wartezeiten der RE 9.

Bahn setzt erste Maßnahmen um
In der heutigen Qualitätskonferenz wurden mit allen Verantwortlichen der Bahn erste Maßnahmen beschlossen, die nun schnellstmöglich umgesetzt werden. Seit Fahrplanwechsel gehen eindeutig zu viele Verspätungen und Störungen auf Fehler im Einsatz- und Wartungsmanagement der Lokomotiven und Wagen zurück. Hier liegt daher auch der Schwerpunkt bei den Maßnahmen, die nun umgesetzt werden:

Die DB Regionalbahn Rheinland wird ihre internen Prozesse zur Steuerung der Lokomotiven und Wagen so anpassen, dass ein Betrieb ohne Rangieren sichergestellt wird. Auf den Endbahnhöfen musste bis heute zu oft die Lokomotive abgekuppelt und am anderen Ende wieder angekuppelt werden, was zur Überschreitung der planmäßigen Wendezeit führte. Die Einsatzreserve an wendezugfähigen Lokomotiven wird nun aufgestockt. Bis Mitte Februar werden bereits bestellte Doppelstockwagen ausgeliefert sein und die Situation in NRW entspannen. Zusätzliche Mitarbeiter werden ab sofort in der Instandhaltung der Doppelstockwagen im Werk Deutzerfeld eingesetzt. In den Einsatzplänen der Lokführer wird die Qualitätssicherung insbesondere bei der Vorbereitung der Züge verstärkt berücksichtigt. Zug- und Rangierpersonale erhalten zusätzliche Einweisungen. Ein mobiles Technikerteam wird speziell für Doppelstockzüge zusammengestellt. Damit kann auf Störungen, die unterwegs auftreten, schneller und flexibler reagiert werden.

Aber auch nach Durchführung dieser Maßnahmen wird es immer wieder Verspätungen geben, für die kurz- und mittelfristig keine Beseitigungsmöglichkeiten bestehen. Diese liegen hauptsächlich in der Infrastruktur der Gleisanlagen und Stationen.


Abdruck honorarfrei/ Beleg erbeten an: Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH/ Kirsten Sander/ Krebsgasse 5-11/ 50667 Köln/ (Tel.: 0221/ 20808-47/ Fax: 0221/ 20808-40/ Email: kirsten.sander@vrsinfo.de