18.07.2010

Zählungen für die Sicherheit im ÖPNV

„VeRSiert“ untersuchte Besucherlenkung bei den „Kölner Lichtern“


Köln, 18. Juli 2010. Das Forschungsprojekt „VeRSiert“ analysierte  bei den gestrigen Kölner Lichtern mit einer Vielzahl von Zählern erfolgreich die Verkehrsströme bei Großveranstaltungen. Ziel der Aktion war es, neue Erkenntnisse über das Bewegungsverhalten der Besucher zu erhalten, um Großereignisse noch sicherer zu machen.

Die Domstadt war gestern Schauplatz einer der größten Open-Air-Veranstaltungen Deutschlands: Bei der zehnten Ausgabe der „Kölner Lichter“ bevölkerten Besucher aus halb Nordrhein-Westfalen die Innenstadt. Da ein Großteil der Gäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreiste, wurde der Kölner Hauptbahnhof am Samstag zum Nadelöhr. Hunderttausende bewegten sich von diesem Ausgangspunkt in Richtung Rhein und von dort wieder in der Nacht zurück. Doch welche Wege nutzen die Besucher zu ihren Bahnen? Genau bei dieser Frage setzt die Arbeit von „VeRSiert“ an. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekt hat das Ziel, die Vernetzung zwischen Verwaltung, Verkehrsbetrieben, Veranstaltern und Einsatzkräften bei Planung, Durchführung und Nachbereitung von Großveranstaltungen weiter zu optimieren, um den Besuchern – insbesondere bei der An- und Abreise mit Bus und Bahn – größtmögliche Sicherheit zu bieten. „VeRSiert“ Projektpartner sind die Stadtverwaltung Köln, die Kölner Verkehrs-Betriebe AG, die Nahverkehr Rheinland GmbH sowie die Universitäten Wuppertal und Stuttgart und die Firmen Airport Research Center und Vitracom AG.

Wie verhält sich eine Menschenmenge?
Im Rahmen von „VeRSiert“ wurde neben Spielen des Fußballbundesligisten 1. FC Köln auch die „Kölner Lichter“ untersucht, weil sich bei diesen Großveranstaltungen gut beobachten lässt, wie sich die Besucherströme durch den Hauptbahnhof und die dortige KVB-Haltestelle bewegen – besonderes Augenmerk wurde dabei auf Fragestellungen gelegt wie „Was passiert eigentlich, wenn ein Hagelschauer auf die vor dem Bahnhof wartenden Besuchermassen herunter prasselt und diese unvermittelt in das Gebäude hineinströmt“? „Um auf derartige Situationen optimal vorbereitet zu sein, können diese in einem Computermodell durchgespielt werden. Dafür werden hochwertige Eingangsdaten benötigt“, erklärt Olaf Junker vom Airport Research Center.

Um an diese Daten zu gelangen, war das „VeRSiert“-Team in der Nacht von Samstag auf Sonntag vor, während und nach den „Kölner Lichtern“ im Hauptbahnhof und in der dortigen KVB-Haltestelle aktiv. Bereits bei der Anreisephase wurden die Besucher durch Personenfrequenzmesssysteme in der KVB-Haltestelle anonymisiert gezählt und ihre Laufrichtung registriert. Zudem wurden Fahrzeugtyp, Linie, Zeit und Belegung der jeweiligen U-Bahn festgehalten. Diese Zählungen liefen den kompletten Abend und wurden durch manuelle Zählungen an den Eingängen des Hauptbahnhofs ergänzt. Weil die Besucher nach Ende des Feuerwerks erfahrungsgemäß schnell nach Hause möchten und in den Bahnhof strömen, gilt die Abreisephase als besonders prekär. Daher wurden zusätzlich zu den Personenfrequenzmesssystemen 20 Beobachter eingesetzt, die ausschließlich mit der Fragestellung betraut waren, wie sich die Fahrgäste innerhalb des Bahnhofes bewegten. „Wie viele gehen direkt zum Gleis, wer kauft sich noch eine Fahrkarte oder bummelt an den Schaufenstern vorbei? – diese Fragen wollten wir beantwortet haben. Bewegungsmuster und die Verweildauer der Besucher wurden daher erfasst, denn je besser die Eingangsdaten sind, desto realitätsnaher sind die Ergebnisse“, so Olaf Junker.

Auch das subjektive Sicherheitsempfinden wurde getestet
Da aber nicht nur die beobachtete Bewegung eine Rolle spielt, sondern auch das subjektive Empfinden, wurde in der Anreisephase eine Befragung zum Sicherheitsempfinden in der U-Bahn Haltestelle der KVB durchgeführt. Da im Gedränge weder Platz noch Zeit für einen langen Fragebogen blieb, wurde sich auf die zentrale Frage „Fühlen Sie sich sicher?“ beschränkt. Die Besucher beurteilten die Frage anhand eines Ampelsystems, wobei Grün „Ich fühle mich sicher“ und Rot das Gegenteil bedeutete. „Wir wollen damit herausfinden, welche Faktoren für das Sicherheitsempfinden der Besucher besonders wichtig sind. Wann ist der Bahnhof so voll, dass sich die Besucher unwohl fühlen? Dabei unterscheiden wir zwischen Mann und Frau“, schildert Ulf Schulze-Bramey von der Universität Wuppertal.

Verkehrsexperten aus Wuppertal verteilten noch in der Nacht 1.000 Fragebögen an der Haltestelle Dom-/Hauptbahnhof an die Fahrgäste der KVB. Ziel der Befragung ist es, die Sicherheitsmaßnahmen der KVB von den Kunden bewerten zu lassen, um diese weiter zu verbessern. „Wir hoffen, dass uns möglichst viele KVB-Kunden die verteilten Fragebögen zusenden“, so Prof. Gerlach von der Universität Wuppertal.

Die Universität Stuttgart testete zudem mit ausgewählten Besuchern der Kölner Lichter die Bedienbarkeit und den Nutzen neuartiger „Mobiler Dienste", die speziell für den Einsatz bei Großveranstaltungen konzipiert wurden. Über mobile Endgeräte wie Handys erlauben sie den Austausch von Fotos und Kurznachrichten, Mitteilungen durch Veranstalter und Verkehrsunternehmen, das einfache Auffinden von Freunden sowie die Orientierung im Veranstaltungsgebiet. "Mit diesen Funktionalitäten wären auch Notfallmeldungen durch die Teilnehmer sowie Warnmeldungen und Verhaltenshinweise durch öffentliche Institutionen möglich", erläutert Dr. Heiko Roßnagel von der Universität Stuttgart.

Viele relevante Daten gesammelt
Projektkoordinator und NVR-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober äußerte sich sehr zufrieden über den Verlauf der „VeRSiert“-Aktivitäten rund um die „Kölner Lichter“: „Das Team konnte durch die vernetzten Aktionen viele relevante Daten sammeln, die für das Erreichen des Projektziels, nämlich die Sicherheit der Fahrgäste bei Großveranstaltungen im Öffentlichen Personennahverkehr zu erhöhen, sehr wichtig sind.“

Das bis Mitte 2011 laufende Forschungsprojekt „VeRSiert“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ als Teil der sogenannten „High-Tech-Strategie“ der Bundesregierung mit 2,9 Millionen Euro gefördert und zielt darauf ab, bei Großveranstaltungen durch eine optimierte Vernetzung von Verkehrsgesellschaften, Einsatzkräften, Veranstaltern und Fahrgästen die Sicherheit insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr zu erhöhen.

Weiterführende Informationen zu „VeRSiert“ und den beteiligten Projektpartnern im Internet unter www.versiert.info sowie unter folgendem Pressekontakt.

Pressekontakt:
Nahverkehr Rheinland GmbH
Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH
Holger Klein
Pressesprecher
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