16.01.2015

NVR kritisiert aktuelle Ausfallserie und Verspätungen im Kölner Dieselnetz

DB muss flexibel und kundenfreundlich auf die Zugschwächungen reagieren


Köln, 16. Januar 2015. Seit Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2014 erreicht den Nahverkehr Rheinland (NVR) eine Vielzahl von Kundenbeschwerden über die mangelhafte Qualität der Schienenleistungen auf den Strecken des Kölner Dieselnetzes. Während der Betrieb bei der RB 30 (Bonn Hbf – Ahrbrück) stabil läuft, häufen sich bei den anderen Linien des „Kölner Dieselnetzes“ – dazu gehören die Linien S 23 (Bonn Hbf – Euskirchen – Bad Münstereifel), RB 25 (Köln-Hansaring – Gummersbach – Marienheide – Meinerzhagen), RE 12 (Köln Messe/Deutz – Euskirchen – Gerolstein – Trier Hbf), RE/RB 22 (Köln Messe/Deutz – Euskirchen – Gerolstein – Trier Hbf) und RB 24 (Köln Messe/Deutz – Euskirchen – Kall/Gerolstein) - die Kundenbeschwerden über Unpünktlichkeit, Zugausfälle und Minderkapazitäten.

Im Zentrum der Kritik stehen die neuen Dieselnetz-Fahrzeuge Coradia LINT 54 und 81 des Herstellers Alstom Transport. Bemängelt werden die Zuverlässigkeit, Kapazität, aber auch der technische Zustand der sogenannten Vareo-Flotte. So verkehrten viele Züge nur als Einfach- und nicht als Doppeleinheit, andere Fahrten fielen ganz aus.

Nach Intervention des NVR begründete der Betreiber DB Regio NRW die unbefriedigende Fahrzeugsituation mit hohen unvorhergesehenen Schadständen bei den Neufahrzeugen in Kombination mit externen Faktoren. „Es ist offensichtlich, dass die DB Regio NRW als Betreiber aktuell große Schwierigkeiten mit dem Betrieb des Kölner Dieselnetzes hat. Das machen einerseits unsere Qualitätsaufzeichnungen, andererseits die Vielzahl an Kundenbeschwerden überdeutlich. Wir sehen die DB Regio in der Pflicht, in Zusammenarbeit mit dem Fahrzeughersteller die Kinderkrankheiten der Fahrzeuge schnellstmöglich zu beheben und wieder einen stabilen Betrieb auf den Strecken zu gewährleisten. Wenn dies mit den Neufahrzeugen nicht möglich ist, muss ein griffiges Ersatzkonzept erarbeitet werden. Es kann nicht sein, dass unsere Kunden in den Zügen schon seit Wochen unhaltbare Zustände erleben“, kritisiert NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek.

NVR pocht auf vertraglich zugesicherte Leistungen
Der NVR hat daraufhin zum wiederholten Male bei der DB Regio NRW auf den Einsatz der vertraglich festgelegten Kapazitäten gepocht und Dirk Helfert, Leiter Verkehrsbetrieb Rheinland der DB Regio NRW, zur Sitzung der NVR-Verbandsversammlung am Freitag (16. Januar) mit anschließendem Pressegespräch geladen. Laut DB Regio NRW treten in der vareo-Flotte derzeit eine Reihe von Hindernissen auf, welche den Instandhaltungsaufwand erheblich erhöhen. Dazu gehören äußere Einflüsse wie Unfälle mit Bäumen und Wild sowie das zunehmende Auftreten von Undichtigkeiten im Kühlkreislauf. Des Weiteren seien seitens des Fahrzeugherstellers Rollkuren bzw. technische Änderungen erforderlich. Die betreffenden Fahrzeuge stünden in diesem Zeitraum leider nicht für den Fahrgastbetrieb zur Verfügung.

„Gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller Alstom suchen wir Lösungen, um die betriebliche Situation im Kölner Dieselnetz so schnell wie möglich zu stabilisieren. Dazu zählt insbesondere eine zügige Abarbeitung offener Gewährleistungsfälle“, so Dirk Helfert. „Hier ist Alstom in der Pflicht.“ Auch Probleme mit den ausfahrbaren Trittstufen sowie längere Türschließzeiten beeinträchtigen den anspruchsvollen Fahrplan, der seit Mitte Dezember im Kölner Dieselnetz gilt. Helfert: „Im Vergleich zum „alten“ Dieselnetz ist die Verkehrsleistung mit Umsetzung des vareo-Konzepts um rund 10 Prozent gestiegen. Jede Abweichung vom Soll-Betrieb wirkt sich unmittelbar auf die Qualität aus.“

Zusätzlich sorgen noch nicht behobene infrastrukturelle Mängel auf den Strecken und damit verbundene Langsamfahrstellen sowie die Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks in Euskirchen mit einem neuen Betriebsprogramm für Verspätungen.

„Trotz dieser Probleme liegt die Qualität auf der S 23 seit dem Fahrplanwechsel auf Vorjahresniveau“, so Dirk Helfert. Die Qualität auf der Eifelstrecke könne aktuell nicht aussagekräftig mit den Werten des Vorjahreszeitraums verglichen werden. Grund hierfür seien die witterungsbedingten Streckensperrungen und Fahrzeugausfälle der letzten Wochen.


NVR erhöht Kapazitäten für die Eifelstrecke und die Strecke der Oberbergischen Bahn
„Auch wenn die Mitarbeiter der DB sicherlich alles tun, um die defekten Fahrzeuge wieder einsatzbereit zu machen, können wir die aktuellen Probleme im Sinne der Kunden nicht tolerieren. Die DB Regio muss schnell und transparent auf die Ausfallserie der Fahrzeuge reagieren. Es kann nicht sein, dass unsere Kunden auf den Bahnsteigen zurückbleiben oder sich wie die Sardinen in einer Dose in ein Fahrzeug quetschen müssen“, so NVR-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober. Wenn die vertraglich festgelegten Leistungen von der DB nicht eingehalten werden, muss das Unternehmen an den NVR Strafgelder – so genannte Pönale – zahlen. „Dies ist allerdings für den Fahrgast, der zur Arbeit oder nach Hause will, kein wirklicher Trost. Daher werden wir auch weiterhin bei der DB Regio die Einhaltung der vertraglich festgelegten Kapazitäten sowie eine zügige Besserung der Situation anmahnen. Weitere vertragsrechtliche Konsequenzen werden mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen“, so Reinkober weiter.

Eine gute Nachricht – wenn auch nur auf mittelfristige Sicht – haben die NVR-Geschäftsführer Sedlaczek und Reinkober für die Kunden der Eifelstrecke (RE 12, RE/RB 22 und RB 24) und der Oberbergischen Bahn (RB 25) parat: Die NVR-Verbandsversammlung hat beschlossen, neun zusätzliche vareo-Mittelteile zu finanzieren, damit DB Regio diese beim Hersteller Alstom bestellen kann. Damit können neun zweiteilige LINT 54 zu dreiteiligen LINT 81 mit einer Kapazitätserhöhung von 180 auf 300 Sitzplätze ergänzt werden. Dies ermöglicht es, auf der Eifelstrecke und teilweise auch auf der Oberbergischen Bahn in den Hauptverkehrszeiten Doppeleinheiten LINT 81 mit dann zusammen 600 Sitzplätzen (= +120 Sitzplätze) anzubieten. Somit würden die derzeit noch bestehenden Kapazitätsengpässe während der Hauptverkehrszeit der Vergangenheit angehören. Nach erster Einschätzung würden die umgebauten Fahrzeuge im Jahr 2017 zum Einsatz kommen.

Die Finanzierung dieser Kapazitätserweiterungen erfolgt im Wesentlichen aus den im Jahr 2014 angefallenen Strafzahlungen der DB Regio an den NVR - wegen Nichterbringung der vertraglich zugesicherten Leistungen im Kölner Dieselnetz.

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