26.06.2015

NVR gibt Startschuss für Machbarkeitsstudie zur Elektrifizierung von Voreifel- und Eifelstrecke

Türschließzeiten sollen durch Softwareumstellung verringert werden – Weitere Optimierungen nur mittelfristig möglich


Köln, 26. Juni 2015. Um die Situation auf der Voreifel- und der Eifelstrecke zukünftig zu entspannen, hat die Zweckverbandsversammlung des Nahverkehr Rheinland (ZV NVR) den Startschuss für Machbarkeitsstudien zur Elektrifizierung von Voreifel- und Eifelstrecke gegeben. Besonders das verkehrliche und betriebliche Anforderungsprofil der von der S23 befahrenen Strecke Bonn – Rheinbach – Euskirchen ist für einen elektrisch betriebenen S-Bahn-Betrieb typisch: kurze Haltestellenabstände, hohe fahrdynamische Beschleunigungsanforderungen, starker Fahrgastwechsel sowie mit den neu eingerichteten Haltepunkten zunehmend auch innerstädtische Erschließungsfunktionen. Die Fahrgastnachfrage ist auf beiden Strecken kontinuierlich steigend und auch die aktuelle Bevölkerungsprognose von IT-NRW zeigt einen Wachstumstrend. Ein Ausbau des SPNV-Angebotes ist also erforderlich, um den zu erwartenden Fahrgastmengen auch in Zukunft entsprechen zu können.

Studie gibt Aufschluss über technische Umsetzbarkeit
Um eine mittelfristige Umstellung auf einen elektrischen S-Bahn-Betrieb zu erreichen, ist eine Machbarkeitsstudie notwendig, die die technische und infrastrukturelle Umsetzbarkeit, die betriebstechnischen Möglichkeiten und ihre verkehrlichen Auswirkungen analysiert sowie den volkswirtschaftlichen Nutzen im Rahmen einer „Standardisierten Bewertung“ aufzeigt. Ein positiver Nutzen-Kosten-Faktor (>1,0) wäre Voraussetzung, um die Maßnahme grundsätzlich förderfähig zu gestalten und die spätere Infrastrukturförderung durch Land NRW und/oder den Bund zu erreichen.

Kostenträger der Machbarkeitsuntersuchungen sind neben dem NVR die an den Strecken liegenden Städte bzw. Landkreise. Die Machbarkeitsstudie zur Elektrifizierung der S23 geht auf eine überparteiliche Initiative aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zurück. In einer gemeinsamen Ausschusssitzung ist ein entsprechender Beschluss bereits gefällt worden.

Taktlücke der S23 am Samstagabend wird geschlossen – Kottenforst neuer Bedarfshalt
Die Zwecksverbandsversammlung beschloss des Weiteren, dass auf der Voreifelstrecke eine Angebotslücke geschlossen wird: Zwischen 20:09 Uhr und 21:13 Uhr soll ab dem 13. Dezember 2015 eine Taktlücke geschlossen und eine Zugfahrt um 20:43 Uhr ab Bonn Hbf nach Euskirchen eingerichtet werden. Probeweise sollen außerdem für ein Fahrplanjahr die Verstärkerzüge in der Hauptverkehrszeit zwischen Bonn und Rheinbach (und zurück) am Bahnhof Kottenforst bei Bedarf halten. Ob die Bedarfshalte beibehalten werden, entscheidet dann die Inanspruchnahme durch die Fahrgäste.

Die NVR-Verbandsversammlung sprach sich für eine weitere Verbesserung aus: Zum großen Fahrplanwechsel Mitte Dezember wird auf der Voreifelbahn (S 23) zwischen Rheinbach und Bonn wieder ein glatter 15-Minuten-Takt eingeführt. Das kommunale Bussystem wird auf diesen, für den Kunden gut merkbaren, 15-Minuten-Takt angepasst.

Auch bei den Fahrzeugen gibt es eine Verbesserung: In den nächsten Monaten soll zudem durch eine Softwareumstellung in den neuen LINT-Fahrzeugen die Türöffnungs- und Schließzeit verbessert werden. Die dadurch eingesparte Haltezeit sorgt für Stabilität des Fahrplans.

Optimierung auf Voreifel- und Eifelstrecke nur mittelfristig möglich
Weitere Optimierungen sind aber kurzfristig weder auf der Voreifel- noch auf der Eifelstrecke möglich. Der NVR und die DB Regio als Streckenbetreiber hatten in den letzten Wochen zahlreiche Varianten zur Verbesserung der Situation auf der Eifel- und Voreifelstrecke geprüft. Dabei sind auch die Vorschläge der Gruppe „Eifelpendler“ eingeflossen. Geprüft wurde insbesondere der Einsatz von Sprinterzügen, die manche Halte der S23 nicht anfahren. Von allen sieben geprüften Varianten erwies sich aber keine einzige als praktikabel. Infrastrukturelle, betriebliche oder fördertechnische Rahmenbedingungen sprechen gegen die Einführung der Sprinterzüge. Auch die Fraktionen der NVR-Verbandsversammlung waren sich darin einig, dass mit Blick auf die gesamtverkehrliche Situation sowie die erheblichen finanziellen Risiken derzeit keine der geprüften Varianten eine zufriedenstellende Lösung bietet.

Insbesondere die Forderung nach Auflassen von bestehenden Haltepunkten wurde als nicht zielführend angesehen, weil damit die Gesamtattraktivität des SPNV-Angebots der Voreifelbahn entscheidend gemindert würde. Die Fraktionen befürworteten aber ausdrücklich, die Untersuchung weiterer Fahrplanoptimierungen sowie von Expressverbindungen auf der Eifelstrecke vor allem im Berufsverkehr fortzusetzen. In einer früheren Sitzung hatte die Zweckverbandsversammlung bereits festgelegt, dass in knapp zwei Jahren (2017) neun zweiteilige LINT 54 zu dreiteiligen LINT 81 mit einer Kapazitätserhöhung von 180 auf 300 Sitzplätze ergänzt werden, um mehr Platz in den Zügen der Eifelstrecke und der Oberbergischen Bahn zu schaffen. Finanziert wird dieses vor allem aus den im Jahr 2014 angefallenen Strafzahlungen der DB Regio an den NVR – wegen Nichterbringung der vertraglich zugesicherten Leistungen im Kölner Dieselnetz. Die Erweiterung der LINT-Fahrzeuge ist auch Voraussetzung für einen eventuell möglichen Einsatz einer zusätzlichen Verbindung aus der Eifel für die Fernpendler, der ab Euskirchen als Sprinterzug verkehrt. Unmittelbar danach soll eine Regionalbahn eingesetzt werden, die alle Haltepunkte bis Köln bedient.

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