08.08.2012

Minister Groschek spürt mit dem Arbeitskreis „Sicher unterwegs – ein Leben lang“ Mobilitätsbarrieren auf

Der Minister diskutiert mit Senioren über Fußgängerfreundlichkeit und Barrierefreiheit und nimmt Schwachstellen im Straßenraum unter die Lupe


Bonn, 8. August 2012. Wie fußgängerfreundlich ist eine Stadt oder Gemeinde? Gibt es besonders aus der Sicht älterer Menschen Barrieren, die beseitigt werden können? Bonn ist durch den Wettbewerbserfolg seines Arbeitskreises „Sicher unterwegs – ein Leben lang“ Modellkommune des VRS-Netzwerks „Verkehrssichere Städte und Gemeinden im Rheinland“ für einen Fußgängercheck. Der Arbeitskreis, dem in Bonn die Polizei, die Stadtwerke, die Verkehrswacht Bonn, die Volkshochschule und die Stadt angehören, führt derzeit mit Seniorinnen und Senioren sowie Vertretern von Behindertenverbänden verschiedene Stadtteilbegehungen in Bad Godesberg durch.

Über dieses gelungene Gemeinschaftsprojekt informierte sich NRW-Verkehrsminister Michael Groschek. Im Rahmen seiner Vor-Ort-Tour quer durch Nordrhein-Westfalen nahm der Minister an einem Fußgängercheck durch Bad Godesberg teil und diskutierte mit Organisatoren und Teilnehmern über Fußgängerfreundlichkeit und Barrierefreiheit. Gemeinsam mit den Betroffenen sollen aus deren Blickwinkel Schwachstellen und Barrieren des Fußwegenetzes aufgespürt und dokumentiert werden, um anschließend Verbesserungsmaßnahmen zu erarbeiten. Die Ergebnisse werden dann der Stadt Bonn übergeben und dort auf die mögliche Umsetzung hin überprüft. Neben dem Maßnahmenkatalog wird es am Ende auch die erste Stadtteilkarte Bonns mit speziellen Infos geben – etwa für Rollstuhl- oder Rollatorfahrer.

„Ältere Menschen oder Menschen mit Handicap haben besondere Anforderungen an die Sicherheit im Straßenverkehr. Die selbständige Mobilität ist für sie sehr wichtig. Der Arbeitskreis entwickelt seine Vorschläge zusammen mit den Betroffenen, die als Experten in eigener Sache Problemstellen etwa bei Straßenquerungen identifizieren. Das Engagement ist vorbildlich, Bürgerbeteiligung im besten Sinne“, sagte Minister Michael Groschek. Mit Fragebogen und Maßband auf den Straßen Bad Godesbergs unterwegs
Ausgestattet mit Fragebogen und Maßband nehmen die ehrenamtlich Aktiven seit März die Bad Godesberger Fußwege unter die Lupe und überprüfen die Innenstadt auf Barrieren oder Gefahrenstellen wie zu hohe Bordsteine oder fehlende Zebrastreifen. Noch bis in den Spätsommer finden weitere Begehungen statt. Der begleitend erarbeitete Maßnahmenkatalog soll der Stadtverwaltung anschließend überreicht und von ihr geprüft werden.

Die Stadt Bonn, die sich ebenfalls am Arbeitskreis „Sicher unterwegs – ein Leben lang“ beteiligt, sieht den Ergebnissen mit Spannung entgegen. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch: „Zukunftsfähige und nachhaltige Stadtentwicklung bedeutet, dass wir in unseren Konzepten der demographischen Entwicklung ebenso Rechnung tragen wie den Anforderungen einer inklusiven Gesellschaft. Wenn Bedürfnisse – wie in diesem Projekt – unmittelbar von den Betroffenen erkundet und formuliert werden, ist dies die Beste aller Optionen für eine lebenswerte Stadt.“

 „Uns geht es vor allem darum, auch in ihrer Mobilität eingeschränkten Fahrgästen die Fahrt mit Bus und Bahn zu ermöglichen“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Heinz Jürgen Reining. „Denn Mobilität bedeutet Teilhabe. Und dazu gehört auch der Weg zu uns, das heißt der Weg zur Haltestelle oder zum Bahnsteig. Gern bringen wir uns deshalb in dieses Projekt ein, um weiter Barrieren für ältere Menschen zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Dieses Projekt zeigt zudem, wie wichtig es für die Ergebnisse und den Erfolg ist, die Zielgruppe, in diesem Fall die Senioren, frühzeitig mit einzubinden. Der Fußgängercheck ist daher auch für uns beispielgebend.“
Der den Fußgängercheck durchführende Arbeitskreis „Sicher unterwegs – ein Leben lang“ geht auf eine Initiative der Bonner Polizei zurück. „Unser gemeinsames Ziel ist es, dass Senioren mobil bleiben und sicher ankommen. Wir haben die guten Ansätze, die es hier in Bonn gab, gebündelt. Der Erfolg zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um die Verkehrssituation für die älteren Menschen zu verbessern“, so die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa.

Die Verkehrswacht Bonn unterstützt den Fußgängercheck ebenfalls: „Den Älteren gehört die Zukunft! Was vor wenigen Jahren noch paradox geklungen hätte, ist am Beginn des 21. Jahrhunderts längst Realität geworden“, bringt es Cornelia Brodeßer, Mobilitätsberaterin für Senioren von der Verkehrswacht Bonn, auf den Punkt. „Im Straßenverkehr bewegen sich ältere Menschen zwischen Erfahrung und Risikovermeidung und gelegentlich leider auch zwischen Routine und Risiko“, so Brodeßer weiter.

Netzwerkarbeit für eine zukunftsfähige Mobilität
Der Fußgängercheck, den neben Bonn auch noch Köln, Brühl, Kerpen, Herzogenrath und Merzenich im Kreis Düren durchführen, ist ein Projekt des Netzwerks „Verkehrssichere Städte und Gemeinden im Rheinland“. Im September 2011 hatte die Koordinierungsstelle des Netzwerks beim VRS unter den 57 Mitgliedskommunen einen Wettbewerb ausgelobt: Sechs Kommunen erhielten Beratungsleistungen und finanzielle Förderung für die Umsetzung des Fußgängerchecks vor Ort. Die Durchführung des Fußgängerchecks wird ermöglicht durch eine Förderung der Eugen-Otto-Butz-Stiftung.

Das 2005 gegründete Netzwerk „Verkehrssichere Städte und Gemeinden im Rheinland“ ist eine Initiative von VRS, Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, NRW-Verkehrsministerium sowie Aachener Verkehrsverbund. Ziel ist es, die Zahl der Verkehrsunfälle vor allem mit Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen zu senken sowie deren eigenständige Mobilität zu fördern.

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