12.12.2012

Keine Verkehrstoten - Utopie oder realistische Option?

In Bergheim diskutierten Verkehrsexperten über Unfallprävention und was die Kommunen dafür tun können


Bergheim, 12. Dezember 2012. Das System Straßenverkehr fordert viele Opfer: Im Durchschnitt sterben jeden Tag elf Menschen auf Deutschlands Straßen. 20 werden schwerst-, 170 schwerverletzt. Sind diese Zahlen der Preis für unsere Mobilität? Oder wird die notwendige Verkehrssicherheit vor Ort nicht ernst genug genommen? Und was können Städte und Gemeinden präventiv dafür tun, dass die Zahl der Verkehrstoten nicht nur sinkt, sondern eines Tages - wie vom Land NRW gefordert - gen null tendiert?

Im Rahmen der siebten Fachtagung des beim VRS angesiedelten Netzwerkes "Verkehrssichere Städte und Gemeinden im Rheinland" im Bergheimer Kreishaus diskutierten 130 Experten aus den Kommunen der Region sowie verschiedenen Forschungseinrichtungen.

Ein Straßenverkehr ohne Verkehrstote ist eine Vision, allerdings eine Vision, die durch die Zusammenarbeit und die Akzeptanz aller Beteiligten Realität werden kann. Darüber waren sich die Teilnehmer der diesmal in Bergheim stattfindenden Fachtagung des Netzwerks "Verkehrssichere Städte und Gemeinden im Rheinland" einig. Weniger Tote und Verletzte im Straßenverkehr sind erreichbar - und sollte für die Kommunen ein erstrebenswertes Ziel sein. Hierbei spielt die präventive Verkehrssicherheitsarbeit eine Schlüsselrolle. Sie trägt nämlich maßgeblich zur Erhöhung der Lebensqualität in den Städten und Gemeinden bei. "Wird sie wirklich ernst genommen, so gilt es, vernetzt zusammenzuarbeiten: Alle Fachbereiche müssen auf kommunaler Ebene an einem Strang ziehen - nur so lassen sich die Unfallzahlen wirkungsvoll reduzieren", erläutert Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS). Um dieses Ziel zu erreichen, bedürfe es aber noch mancher Überzeugungsarbeit, so Dr. Reinkober weiter. Dabei gelte es, sich insbesondere an den Schwächsten im Straßenverkehr zu orientieren: den Kindern und den Senioren. Diese müssten aber nicht nur fit gemacht werden für den Straßenverkehr - die Straßenräume seien auch so zu gestalten, dass Kinder und Senioren selbstständig unterwegs sein könnten.

Miteinander und nicht Gegeneinander
In verschiedenen Workshops diskutierten die Fachleute aus den Kommunen mit Wissenschaftlern, Verkehrsforschern und Polizeivertretern über Lobbyarbeit für die Verkehrssicherheit, die qualitative Unfallanalyse, die Vermeidung von Verkehrsunfällen und Tempolimits in und außerhalb der Ortschaften. Für Martin Mönninghoff von der Deutschen Hochschule der Polizei ist insbesondere überhöhte Geschwindigkeit die Quelle des (Unfall)-Übels: "Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts ist notwendig. Außerorts darf mehr als 80 km/h nur bei entsprechendem Ausbau gelten." Der Polizist plädiert zudem für eine stärkere Bestrafung von Verkehrsverstößen. "Verkehrssicherheit funktioniert nur dann, wenn es Strafen gibt, die weh tun".

Für GDV-Unfallforscher Jörg Ortlepp ist auch die Geschwindigkeitsreduzierung ein zentrales Element der Verkehrssicherheitsarbeit: "Ob 30 oder 50 Stundenkilometer gefahren wird, entscheidet oft über Leben und Tod. Darüber hinaus kommt aber auch der Straßenraumgestaltung und Verkehrsplanung eine entscheidende Rolle zu. Wichtig ist es, nicht nur Unfälle über Verhaltensänderungen der Verkehrsteilnehmer zu verhindern, sondern auch über planerische Maßnahmen. Hier haben die Kommunen große Einflussmöglichkeiten. Wir benötigen eine konsequente und intelligente Verknüpfung von Verkehrsplanung, Kommunikation und Überwachung sowie den politischen Willen, auch unbeliebte Maßnahmen wie Geschwindigkeitskontrollen durchzusetzen", sagt Jörg Ortlepp.

Mobilitätssicherung schafft Wohn- und Lebensqualität
Martin Schmitz, der Verkehrsdezernent des Rhein-Erft-Kreises, legt den Focus auf die Zusammenarbeit aller Verkehrsbeteiligten: "Die Kommunen können die Verkehrsprobleme schon alleine aufgrund der vielfältigen Verkehrsverflechtungen nicht alleine lösen. Gleichzeitig wächst durch die unterschiedlichen Entwicklungen im umweltrechtlichen, demografischen, städtebaulichen und sozialen Bereich der Druck auf die Kommunen, sich verstärkt den verkehrlichen Problemen zu widmen. Die Mobilitätssicherung aller Bevölkerungsgruppen soll Wohn- und Lebensqualität schaffen. Hierbei bildet das Städtenetzwerk eine immer wichtiger werdende Austauschplattform, bei der die Akteure der Region voneinander profitieren können."  

Das 2005 gegründete Netzwerk ist eine Initiative von Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, NRW-Verkehrsministerium sowie Aachener Verkehrsverbund. Ziel ist es, die Zahl der Verkehrsunfälle vor allem mit Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen zu senken sowie deren eigenständige Mobilität zu fördern. Die Koordinierungsstelle des Netzwerks, angesiedelt beim VRS, berät und unterstützt Kommunen und Verkehrsanbieter dabei, Mobilität intelligent, effizient und zum Vorteil der Bürgerinnen und Bürger auszubauen.

Pressekontakt:
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