10.12.2018

Bundesweites Treffen der Kinderunfallkommissionen - „Hinter jeder Zahl steckt eine Tragödie“

Experten sehen Handlungsbedarf bei der Stadtentwicklung


Köln, 10. Dezember 2018.  Wie kann man Kindern und Jugendlichen zu mehr Freiräumen und Sicherheit im Straßenverkehr verhelfen? Diese Frage diskutierten Vertreter von Verwaltung, Polizei und Wirtschaft beim 14. bundesweiten Jahrestreffen der Kinderunfallkommissionen am vergangenen Donnerstag in Köln. Bei den Kommissionen handelt es sich um freiwillige Zusammenschlüsse von Fachleuten aus Kommunalverwaltung, Polizei und weiteren Partnern, die sich als Lobby für Kinder in allen Fragen der Mobilität auf kommunaler Ebene verstehen. Ihre Arbeit setzt präventiv an, beispielsweise durch Angebote der Mobilitätserziehung. Auch die Analyse von Unfallgeschehen gehört zu den Arbeitsfeldern. Eingeladen hatte das „Zukunftsnetz Mobilität NRW“, dessen Geschäftsstelle beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) angesiedelt ist.

Dr. Dirk Günnewig, Abteilungsleiter im Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, begrüßte die Teilnehmer mit klaren Worten: „Im vergangenen Jahr starben 17 Kinder durch Unfälle im Straßenverkehr. Sieben davon als Fußgänger, sieben als Radfahrer. Hinter jeder Zahl steckt eine Tragödie.“ Darum sei die Arbeit der Kinderunfallkommissionen so immens wichtig. „Gefahrlos draußen umherzustreifen, die räumlichen Grenzen auszutesten, zu Fuß zur Schule zu gehen – das muss für Kinder und Jugendliche möglich sein. Darum unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen das Zukunftsnetz Mobilität NRW und die Arbeit der Kinderunfallkommissionen.“

Bei der Planung und Gestaltung der kommunalen Verkehrswende ist gerade das Mobilitätsmanagement für Kinder und Jugendliche ein wichtiges Handlungsfeld. Unter dem Motto „Strategien für eine kinderfreundliche Stadt- und Verkehrsentwicklung“ stellten Gastredner den Teilnehmern im Kölner „Radisson Blu“-Hotel vor allem Best-Practice-Beispiele zur Unterstützung der eigenständigen Mobilität von Kindern und Jugendlichen vor.

Welche Zusammenhänge zwischen Tempolimit und Spielzeiten an der frischen Luft bestehen, erläuterte Prof. Dr. Peter Höfflin von  der evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Er stellte eindrücklich dar, wie sehr sich der eigenständige Bewegungsradius von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen vier Generationen reduziert hat: „Früher durften Kinder alleine zum Schwimmbad im Nachbarort laufen, heute oft nur bis zum Ende der Straße. Die Umgebung hat sich verändert, und damit auch die Sorge vor Gefahren.“ Das habe nicht nur Auswirkungen auf die motorischen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, sondern auch auf die Fähigkeit, Risiken einzuschätzen und die eigenen Grenzen zu kennen.

Bei den Vorträgen und auch bei den moderierten Gruppendiskussionen kamen die Teilnehmer wiederholt zu dem Schluss, dass eine gelungene Verkehrssicherheitsarbeit für Kinder und Jugendliche nur dann möglich ist, wenn alle Beteiligten vernetzt miteinander arbeiten. Das schließt auch die Unterstützung durch die Politik und die Begleitung durch intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit ein.

Das Zukunftsnetz Mobilität NRW ist ein Unterstützungsnetzwerk, das mit Förderung des Ministeriums für Verkehr Nordrhein-Westfalen Kommunen berät und dabei unterstützt, nachhaltige Mobilitätskonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Das Ziel: attraktive Mobilitätsangebote für lebendige, sichere und gesunde Kommunen und eine verlässliche Anbindung der ländlichen Räume an die Städte zu schaffen. Es gibt vier regionale Koordinierungsstellen: Westfalen, Ostwestfalen-Lippe, Rhein-Ruhr und Rheinland. Die Geschäftsstelle ist angesiedelt beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) in Köln.

Pressekontakt:
Sharon Beatty
Zukunftsnetz Mobilität NRW – Geschäftsstelle
beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH
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