31.05.2012

Bonner Arbeitskreis "Sicher unterwegs - ein Leben lang" spürt Mobilitätsbarrieren auf

Projekt des VRS-Netzwerks erarbeitet mit Bad Godesberger Senioren Maßnahmenkatalog und Stadtteilkarte


Bonn, 31. Mai 2012. Wie fußgängerfreundlich ist eine Stadt oder Gemeinde? Gibt es besonders aus der Sicht älterer Menschen Barrieren, die beseitigt werden können? Bonn ist durch den Wettbewerbserfolg seines Arbeitskreises "Sicher unterwegs - ein Leben lang" Modellkommune des VRS-Netzwerks "Verkehrssichere Städte und Gemeinden im Rheinland" für einen Fußgängercheck. Der Arbeitskreis, dem in Bonn die Polizei, die Stadtwerke, die Verkehrswacht Bonn, die Volkshochschule und die Stadt angehören, führt derzeit mit aktiven Seniorinnen und Senioren sowie Vertretern von Behindertenverbänden verschiedene Stadtteilbegehungen in Bad Godesberg durch. Gemeinsam mit den Betroffenen sollen aus deren Blickwinkel Schwachstellen und Barrieren des Fußwegenetzes aufgespürt und dokumentiert werden, um anschließend Verbesserungsmaßnahmen zu erarbeiten. Die Ergebnisse werden dann der Stadt Bonn übergeben und dort auf die mögliche Umsetzung hin überprüft. Neben dem Maßnahmenkatalog wird es am Ende auch die erste Stadtteilkarte Bonns mit speziellen Infos geben - etwa für Rollstuhl- oder Rollatorfahrer.

"Ziel dieses von der Eugen-Otto-Butz-Stiftung geförderten Projekts unseres VRS-Netzwerks ist es, die selbständige Mobilität älterer Menschen zu fördern. Eine Aufgabe, die in Zeiten des demografischen Wandels noch an Bedeutung gewinnen wird", erläutert VRS-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober. Der den Fußgängercheck durchführende Arbeitskreis "Sicher unterwegs - ein Leben lang" geht auf eine Initiative der Bonner Polizei zurück. "Wir haben die guten Ansätze, die es hier in Bonn gab, gebündelt, um so gemeinsam noch effizienter wirken zu können. Der Erfolg zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unser Anliegen inzwischen mehr Gehör findet", so die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa.

Mit Fragebogen und Maßband
Ausgestattet mit Fragebogen und Maßband, nehmen die ehrenamtlich Aktiven seit März die Bad Godesberger Fußwege unter die Lupe und überprüfen die Innenstadt auf Barrieren oder Gefahrenstellen. Wo ist beispielsweise ein Zebrastreifen notwendig, wo ein Bordstein für einen Rollator zu hoch? Wo gibt es Zugangshemmnisse zu Bussen und Bahnen, den Mobilitätsgaranten Nummer eins für ältere Menschen in der Stadt? Hier setzen die Stadtwerke Bonn an: "Unsere Angebote an Senioren, die wir gemeinsam mit Volkshochschule, Polizei und anderen Partnern umsetzen, haben sich als sehr erfolgreich und damit wirkungsvoll erwiesen", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Heinz Jürgen Reining. "Denn es geht vor allem darum, auch in ihrer Mobilität eingeschränkten Fahrgästen die Fahrt mit Bus und Bahn zu ermöglichen. Denn Mobilität bedeutet Teilhabe. Und dazu gehört auch der Weg zu uns, das heißt der Weg zur Haltestelle oder zum Bahnsteig. Gern bringen wir uns deshalb in dieses Projekt ein, um weiter Barrieren für ältere Menschen zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten."

Die Verkehrswacht Bonn unterstützt den Fußgängercheck ebenfalls: "Den Älteren gehört die Zukunft! Was vor wenigen Jahren noch paradox geklungen hätte, ist am Beginn des 21. Jahrhunderts längst Realität geworden", bringt es Cornelia Brodeßer, Mobilitätsberaterin für Senioren von der Verkehrswacht Bonn, auf den Punkt. "Im Straßenverkehr bewegen sich ältere Menschen zwischen Erfahrung und Risikovermeidung und gelegentlich leider auch zwischen Routine und Risiko", so Brodeßer weiter.Noch bis in den Spätsommer finden weitere Begehungen statt. Der begleitend erarbeitete Maßnahmenkatalog soll der Stadtverwaltung anschließend überreicht werde. "Diese prüft dann, was davon umgesetzt werden kann. Das können auch kleinere, aber wirkungsvolle Maßnahmen sein, beispielsweise ein Rückschnitt von Sträuchern oder die Erneuerung einer farbigen Markierung", erklärt Dr. Norbert Reinkober vom VRS-Netzwerk.

Die Stadt Bonn, die sich ebenfalls am Arbeitskreis "Sicher unterwegs - ein Leben lang" beteiligt, sieht den Ergebnissen mit Spannung entgegen. Stadtbaurat Werner Wingenfeld: "Es ist uns ein großes Anliegen, die Betroffenen selbst einzubeziehen. Denn sie sind selbst die besten Experten für ihre Mobilitätsbelange. Der Dialog mit unseren Bürgern verläuft sehr positiv. Die Beteiligten dienen so dem Wohle unserer Stadt."

Netzwerkarbeit für eine zukunftsfähige Mobilität
Der Fußgängercheck, den neben Bonn auch noch Köln, Brühl, Kerpen, Herzogenrath und Merzenich im Kreis Düren durchführen, ist ein Projekt des Netzwerks "Verkehrssichere Städte und Gemeinden im Rheinland". Im September 2011 hatte die Koordinierungsstelle des Netzwerks beim VRS unter den 57 Mitgliedskommunen einen Wettbewerb ausgelobt: Sechs Kommunen konnten Beratungsleistungen und finanzielle Förderung für die Umsetzung des Fußgängerchecks vor Ort erhalten. Das 2005 gegründete Netzwerk ist eine Initiative von VRS, Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, NRW-Verkehrsministerium sowie Aachener Verkehrsverbund. Ziel ist es, die Zahl der Verkehrsunfälle vor allem mit Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen zu senken sowie deren eigenständige Mobilität zu fördern.

Ein Pressefoto finden Sie unter folgendem Downloadlink http://download.vrsinfo.de/Fussgaengercheck_Bonn.zip

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