28.06.2005

Ausbau Bahnknoten Köln, 28.06.2005

Experten-Fazit: DB Fernverkehr AG muss dafür ein verbindliches Betriebskonzept vorlegen...


Köln. Bei dem heute von Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und Industrie und Handelskammer zu Köln (IHK Köln) veranstalteten Expertenforum kritisierten die Teilnehmer die bestehende Infrastruktur des Eisenbahnknotens Köln. Vertreten waren neben IHK Köln und VRS unter anderem die Stadt
Köln, der Flughafen Köln/Bonn, die DB Netz AG, die Häfen und Güterverkehr Köln AG und die Bezirksregierung Köln. Unter Berücksichtigung der Haushaltslage von Bund und Land wurde ein "abgespecktes" Maßnahmenpaket zur Beseitigung der Engpasssituation erarbeitet. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die DB Fernverkehr AG ein Betriebskonzept vorlegt: "Nur, wenn die DB Fernverkehr eine
Grundsatzentscheidung trifft und festlegt, wie viel Verkehr über den Hauptbahnhof Köln und wie viel über den Bahnhof Köln-Messe/Deutz geleitet werden soll, kann der Ausbau des Bahnknotens Köln zielorientiert
angegangen und umgesetzt werden", so VRS-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober.

Einig sind sich die Experten auch darin, dass die Behinderungen im VRSSchienennetz nicht nur direkte Auswirkungen, zum Beispiel Verspätungen, verpasste Anschlusszüge und dadurch überfüllte Züge, haben, sondern mittel- und langfristig auch den Wirtschaftsstandort Köln und Region gefährden. "Es droht ein Imageverlust für unseren Standort - eine unzureichende Verkehrsinfrastruktur beeinträchtigt nicht nur vorhandene Betriebe, sondern schreckt auch neue Investoren ab", warnt Dr. Herbert Ferger, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.

"Die vorhandene Infrastruktur stößt mittlerweile an ihre Kapazitätsgrenze. Zunehmende Unpünktlichkeit, verlängerte Reisezeiten und ein höheres Risiko durch nicht erreichte Anschlüsse könnten künftig dazu führen, dass enttäuschte Fahrgäste Bus und Bahn den Rücken kehren. Ich möchte mit dem Expertenforum einen Anstoß dazu geben, dass sich alle Beteiligten - Bahn, Stadt, Land und Bund - auf der Grundlage eines betrieblichen und städtebaulichen Gesamtkonzeptes um eine Verbesserung bemühen", erklärt
Landrat Frithjof Kühn, Vorsteher des Zweckverbands VRS.

Lösungsansätze Personennahverkehr: mit kleinen Schritten zum Ziel
Folgende kurz- und mittelfristig umzusetzende Maßnahmen haben die Experten unter anderem erarbeitet:

- Zügige Fertigstellung der ICE-Neubaustrecke (Realisierung des zweigleisigen Ausbaus zwischen Köln-Mülheim, "Köln-Deutz-Tief" und Porz-Steinstraße) wie bereits in der Rahmenvereinbarung zum
Rhein-Ruhr-Express zu Beginn des Jahres festgelegt - Kosten ca. 300 Mio. Euro.

- Beseitigung der Engpässe an den Bahnhöfen Köln Messe/Deutz und Kölner Hauptbahnhof. Ziel: die "kleine Lösungen" für den Bahnhof Messe/Deutz (u. a. Schaffung von Rolltreppen, Aufzügen, Fahrgastinformationen) - Kosten ca. 30 Mio. Euro (im Vergleich zu 250 Mio. Euro für den bisherigen Lösungsansatz). Voraussetzung: ein abgestimmtes Betriebskonzept der DB Fernverkehr AG.

- Der Ausbau des Kölner Westrings zwischen Köln-Hansaring und Hürth-Kalscheuren ist unter Berücksichtigung der Planungen für den Rhein-Ruhr-Express (Fortführung des Rhein-Ruhr-Express linksrheinisch bis nach Bonn Hbf) nur in Teilen notwendig. Dadurch würden die mit 170 Mio. Euro bezifferten Kosten für einen Komplettausbau erheblich gesenkt. Voraussetzung: ein vorliegendes Betriebskonzept der DB Fernverkehr AG.

- Kostengünstige Ausbaulösungen für die Zulaufstrecken (z. B. Einbau zusätzlicher Weichenverbindungen auf der Strecke der RB 25) sowie für bestehende Engpässe (z. B. Schaffung von kreuzungsfreien
Verkehrswegen bei der Ein- und Ausfahrt am Bahnhof Troisdorf).

Lösungsansätze Güterverkehr
Durch die Ausweitung der europäischen Union - speziell die Ausweitung nach Osteuropa - sind beim Gütertransport immense Zuwächse zu verzeichnen. Allerdings nimmt im Wesentlichen der Transport über die
Autobahn zu. Wenn es der politische Wille ist, das zu ändern, benötigt auch der Eisenbahngüterverkehr einen leistungsgerechten Ausbau seiner Infrastruktur im Bahnknoten Köln. Wichtige Eckpunkte sind hier die
Infrastruktur in Gremberg und am Containerbahnhof Eifeltor. Aber auch die Erweiterungsabsichten der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) im Kölner Norden (neuer Eisenbahnterminal) und Kölner Süden (Hafen
Godorf) sind in diesem Zusammenhang von vorrangiger Bedeutung. Nur durch eine Weiterentwicklung der Infrastruktur kann der Eisenbahngüterverkehr den Ansprüchen der verladenden Wirtschaft an Flexibilität, Logistik und Planbarkeit gerecht werden.

Langfristige Maßnahmen - bei geänderten Voraussetzungen
Sollte sich langfristig die Verkehrsnachfrage verstärken und sich die vorhandene Taktdichte erhöhen, werden weiterreichende Ausbaumaßnahmen nötig. Zunehmender Mischverkehr ließe die Zahl der
Verspätungen im Personen- und Güterverkehr in die Höhe schnellen. Dem könnte nur durch den konsequenten Ausbau eingleisiger Streckenabschnitte begegnet werden.



Kontakt:
Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH/ Ariane Weber/ Krebsgasse 5-11/ 50667 Köln/ Tel. 0221/ 20808-47/ Fax: 0221/ 20808-40/ eMail: ariane.weber@vrsinfo.de

Industrie- und Handelskammer zu Köln/ Lothar Schmitz/ Unter Sachsenhausen 10-26/ 50667 Köln/ Tel. 0221/1640-162/ Fax: 0221/ 1640-169/ eMail: lothar.schmitz@koeln.ihk.de